München, St. Agnes
Familiengottesdienst zum Muttertag
Wer hat dich neun Monate im Bauch rumgetragen
Und dich schließlich auf die Welt gebracht mit vielem Plagen?
Wer hat dich an ihrem Busen gestillt
Und Karottenbrei in dich eingefüllt?
Wer hat, wenn du nachts geweint hast, dir den Rülpser entlockt?
Wer ist nächtelang im Krankenhaus an deinem Bett gehockt?
Deine Mutter, ja, dein Mutter.
Wer ist’s der Lebensmittel einkauft und nach Hause bringt
Wenn der Familienmagen knurrt den Kochlöffel schwingt?
Wer ist es der beim Essen auf die Tischmanieren achtet
Und nach dem Mahl die Reste in den Kühlschrank verfrachtet,
Der dann die großflächigen Spuren der Verwüstung verwischt
Und sobald das erledigt ist die nächste Mahlzeit auftischt?
Deine Mutter, ja, deine Mutter.
Sie ist Windelwechsler und Fiebermesser
Einkäufer, Koch und Resteaufesser.
Fingerverbinder und Trostpflasteraufkleber,
Zahnputzüberwacher und Hustensaftgeber.
Wer hilft dir deinen Roboter zu programmieren
Und den Text zu deinem Referat einzustudieren?
Wer ist es der dich abends noch Vokabeln abfrägt
Und dir jede Woche wieder deinen Sportbeutel nachträgt?
Und wenn der Frust und die Wut in dir tobt und schreit
Wer steht dann geduldig als mobiler Boxsack bereit?
Deine Mutter, ja, dein Mutter.
Wer nötigt am Wochenend‘ die trägen Recken
Zum Aufstehn und den Kopf vor die Türe zu strecken?
Der die Rucksäcke packt und ein Ziel vorschlägt
Und wenn’s sein muss auch die Feldküche den Berg hochträgt,
Der die richt’ge Richtung findet und der lockt und motiviert
Und die schlafende Meute abends wieder heim kutschiert.
Deine Mutter, ja, deine Mutter.
Sie ist Nachhilfelehrer und zum Elternabend Geher
Nachtarbeiter und morgens als Erster Aufsteher.
Pausenbrotmacher und Sonnencremeverschmierer
Kummerkasten und bei Monopoly Verlierer.
Wer operiert dir nach dem Sturz den Kies aus den Knien
und näht die Stofffetzen wieder an die Hosenbeine hin.
Wer bleibt bei dir wenn du krank bist, um nach dir zu sehn
Während die anderen bei schönstem Wetter Schifahrn gehn?
Wer streicht dir übers Haar, fragt „Geht’s dir wieder besser?“,
Spült die Kotzschüssel aus für den Pfannkuchenwettesser?
Deine Mutter, ja, deine Mutter.
Wer bittet dich darum, mal zwischen deinen Träumen
Eine Schneise von der Türe zum Bett frei zu räumen.
Wer nötigt dich dazu, deinen Müll zu trennen?
Und wer hilft dir dabei morgens nicht zu verpennen?
Wer kauft die Nikoläuse ein, wer versteckt die Ostereier?
Wer backt die Torte für deine Geburtstagsfeier?
Deine Mutter, ja, deine Mutter.
Sie ist Notärztin, Krankenschwester, Tränenwegwischer,
Osterhase, Weihnachtsmann und Kuchenteigmischer.
Ordnungshüter und Familienstreitschlichter,
Lieder für dich Schreiber und Texte für dich Dichter.
Wer schaut drauf dass das Haustier nicht den Hungertod stirbt
Und dass es regelmäßig auch mal ausgemistet wird?
Wer ist es der gelegentlich zum Hausputz nötigt
Und das was sonst keiner machen will dann selbst erledigt,
Der den Ofen anheizt und das Brennholz spaltet
Und der nachts nochmal aufsteht und das Licht ausschaltet?
Deine Mutter, ja, deine Mutter.
Manchmal ist das was sie Erfahrung nennt
Etwas das dich nicht fördert, sondern eher hemmt.
Dann spürst du genau, um dich selbst nicht zu verlier‘n
Musst du jetzt mit aller Macht dagegen rebellier‘n.
Doch Mädel, bedenk‘ wenn du grad heftig pubertierst
Dass du vielleicht irgendwann mal selber eine wirst.
Eine Mutter, ja, eine Mutter.
Sie ist Broterwerber, Wäscherin, Klamottenstopfer
Maler, Gärtner, Schreiner und Nägeleinklopfer.
Beziehungsberatung und Frustüberwinder
Aufräumassistent und Hausschlüsselfinder.
Wer dreht dir nach `ner Stunde Duschen das warme Wasser aus
Und lüftet dann den dichten Nebel aus dem Badezimmer raus?
Wer redet im tiefsten Winter an dich hin
dir `nen Pullover und vielleicht auch noch Socken anzuziehn.
Wer ist’s die dir ihr Lieblings-T-Shirt überlasst
Und neidlos feststellt dass es dir viel besser passt?
Deine Mutter, ja, deine Mutter.
Wer ist es der den Nachwuchs entschieden dazu zwingt
Dass er die Ferien nicht komplett im Bett verbringt.
Wenn du in deinem Zimmer hockst und die Sonne draußen lacht
Die Jalousie hochfährt und das Licht ausmacht.
Und wenn sie dich um Mitternacht im Internet ertappt,
Wer stellt dir dann gnadenlos das WLAN ab?
Deine Mutter, ja, deine Mutter.
Sie ist Umweltaktivistin und Friedensrichter,
Gesprächsberatung für den Klassenstreitschlichter,
Aktivierungsenergie und Werte aufrecht Erhalter
und wenn sonst gar nichts mehr hilft der Netzabschalter!
In manchem Leben, da läuft etwas grundverkehrt:
Nicht jedem Kind ist die Begleitung einer Mutter gewährt,
Die ihm Geborgenheit schenkt und es auffängt, wenn es fällt
Die selbst den dunkelsten Tag mit ihrer Liebe erhellt.
Wenn deine Mutter stirbt, bleibt ein Loch das niemals schließt
Ganz egal wie alt du selber bist.
Drum sei froh, wenn du noch eine Mutter hast.
Auch wenn dir nicht immer alles was sie sagt, auch passt.
Sie liebt dich bedingungslos, was auch passiert
Wenn’s drauf ankommt sie für dich zur Löwin wird.
Sie schafft dir ein Zuhause, immer offen, immer warm
Und wenn du es nötig hast nimmt sie dich tröstend in den Arm.
Deine Mutter, ja, deine Mutter.
Drum nutze die Idee des Muttertags
Und zeige ihr gelegentlich, dass du sie magst.
Mach ihr eine Freude, bereite ihr Genuss:
Nimm sie in den Arm und gib ihr einen Kuss!
Muttertagslied, Musik und Text: Veronika Thurner

